IM Oliver Kurmann: Bericht von der Universiade in Shenzhen (China)

IM Oliver Kurmann vor dem Austragungsort in Shenzhen

IM Oliver Kurmann vor dem Austragungsort in Shenzhen

Die Universiade (Olympiade der Studenten) ist der zweitgrösste Sportanlass weltweit und fand dieses Jahr vom 13. bis 23. August in Shenzhen, unweit von Hongkong (China), statt. Dabei war die Disziplin Schach erstmals mit von der Partie. Als Jura-Student und Schweizer Nationalspieler erfüllte ich die Selektionskriterien und kam in den Genuss dieses unvergesslichen Ereignisses.

Der Turniersaal war perfekt eingerichtet, an jedem Ecken stand ein Volunteer, der uns zur Verfügung stand. Zudem wurden sämtliche Partien live übertragen, die bequemen & edlen Lederstühle liessen uns wie Könige fühlen und die Luft war ungewohnt frisch für einen Schach-Turniersaal.

Bereit zum Start

Bereit zum Start

Vom Turniergeschehen her dominierten die Chinesen, die praktisch ihre komplette Nationalmannschaft an den Start schickten, von Beginn weg das Geschehen. So war es denn auch keine Überraschung, als auf dem Siegerpodest drei Chinesen standen und der Sieger Li Ciao sensationelle 8,5 Pkt aus 9 Runden holte.

Mir persönlich lief das Turnier zufriedenstellend. Nach nervösem Auftakt, wobei ich gegen einen elolosen Afrikaner 62. Züge brauchte, um ihn endlich zur Strecke zu bringen, kam ich schnell in Fahrt. So schlug ich in Runde 2 mit Schwarz dank taktischen Kontern in sehr scharfer Stellung einen starken GM aus der Ukraine (Iurii Vovk, 2564). Ein weiteres solides Remis gegen einen anderen ukrainischen GM (Kravtsiv Martyn, 2571) liess mich zuversichtlich in die kommenden Partien blicken.

Gegen Zaven Andriasyan (2616, Armenien) war dann aber Schluss mit lustig. Obwohl sich die Stellung lange Zeit in totalem Gleichgewicht befand, schaffte mein Gegner es, klitzekleine Vorteile anzuhäufen, bis ich dann in Zeitnot zusammenbrach. Die Zeiteinteilung war an diesem Turnier ohnehin von entscheidender Bedeutung, da wir nur von 1.30h + 30s pro Zug lebten. War man also einmal auf zwei bis drei Minuten Restbedenkzeit zusammengeschrumpft, dann war Stress angesagt und Fehler häuften sich logischerweise.

Nachdem ich mit Weiss gegen einen Georgier (Paichadze Luka, 2489) den klaren Vorteil nicht verwerten konnte und nur remisierte, wurde ich in der darauffolgenden Runde von GM Jan Markos (2585, Slovakei) in einem ausgeglichenen Endspiel überspielt. Wer seine Chancen nicht nutzt, der wird bestraft…

Nach einem Angriffssieg gegen einen Malaysier (SIAH Ian Jun Ren, 2029) wollte ich mit Schwarz gegen den GM Moranda Wojciech aus Polen (2586) alles riskieren und spielte in einer ohnehin bereits scharfen Stellung einen verrückten Zug, der korrekt zu sein schien und meinen Gegner fast aus der Fassung brachte. Leider verteidigte sich mein Gegner zäh und die sehenswerte Partie endete in einem Dauerschach. Die Schlussrunde gegen meinen Kollegen aus der Niederlande (GM Robin Swinkels, 2483) brachte dann leider wiederum keinen vollen Punkt. Beide strebten zwar nach dem Sieg, aber beiderseitiges fehlerloses Spiel führte zu einem remislichen Turmendspiel.

Mit Rang 24 als Startnummer 33 und einer Performance von etwas mehr als 2500 Elo kann ich sicherlich zufrieden sein, aber hätte ich meine Chancen etwas besser genutzt, wäre noch mehr dringelegen. Zumindest kann ich optimistisch in die Zukunft schauen…

IM Oliver Kurmann aus Luzern (CH)